Unternehmensentwicklung im Spannungsfeld

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind die strategischen Pole, die das Spannungsfeld erfolgreicher Unternehmensentwicklung aktuell markieren. Kundenerfordernisse, Stakeholdererwartungen, neue gesetzliche und finanzielle Rahmen sind in dieses Feld eingewoben und bestimmen es. Früher konnte man Digitalisierung und Nachhaltigkeit getrennt denken, beachten, entwickeln. Nun bedingen sie sich wechselseitig. Sie müssen die Herausforderung meistern, dass sie sich unterschiedlicher Mindsets, funktionaler Logiken und Semantiken bedienen.

Derzeit sind beide strategischen Dimensionen mit unterschiedlichen Gewichten, Prioritäten versehen: auf Digitalisierung sind alle Unternehmen angewiesen, das „OB“ ist daher keine Entscheidungsfrage mehr. Nachhaltigkeit ist bisher noch eine optionale strategische Entscheidung (wie lange noch??). Es wäre jetzt schon sinnvoll, wenn beide Positionen freundlich zueinander wären, sich verstehen und über Fragen kennenlernen wollten. (Siehe auch „Nachhaltigkeit muss Chefsache sein!“)

Digitalisierung und Nachhaltigkeit strategisch verknüpfen

Und es wäre klug, Digitale Transformation und Nachhaltige Transformation gemeinsam strategisch und konkret anzugehen. Mit Fragen wie beispielsweise:

  • Wo kann die Digitalisierung von Kommunikation, Steuerungsprozessen in Verwaltung (ERP) und Produktion (MES) und zwischen diesen Funktionen Ressourceneinsatz reduzieren?
  • Wobei kann Digitalisierung als Werkzeug durch Reportingsysteme laufend Informationen zu Nachhaltigkeit bereitstellen und damit auch Führungsentscheidungen  vorbereiten und Wirkungen von Veränderungsmaßnahmen überprüfbar machen?
  • Worin kann Digitalisierung als Treiber neue, nachhaltigere Geschäftsmodelle, z.B. Sharing, Kreislaufwirtschaft und ein nachhaltiges Lieferkettenmanagement ermöglichen?

Mitzubeachten ist, dass beide – Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitskonzepte – zu neuen Schnittstellen führen. Nach außen zu Kunden, Lieferanten, Banken, Behörden und im Inneren der Organisation zwischen Verwaltung, Vertrieb, Procurement, Produktion, Instandhaltung, Mensch und Maschine.

Die Verbindung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung erzwingt nahezu, den Fokus auf den Ressourceneinsatz und Ressourcenverbrauch der IT-Prozesse (kritische Metalle, Elektronikschrott, Strahlung, Elektrizität, Kühlsysteme, …) zu richten.

Jede App-Programmierung hat ebenfalls Einfluss auf den Ressourceneinsatz. Das Bewusstsein dazu ist noch gering ausgeprägt. Es wird tw. so programmiert, als gäbe es unbegrenzte Ressourcen (was durch die Cloud-Technologie auch suggeriert wird).

Die soziale Dimension

Diese dritte Dimension muss in den Fokus rücken. Wird sie übersehen, ist sowohl eine erfolgreiche Digitalisierung als auch eine nachhaltige Unternehmenstransformation gefährdet. Es geht um die Fragen:

  • wie verändern sowohl digitale Prozesse als auch eine konsequente Umsetzung der SDG (und anderer gesellschaftlicher Werte) die Arbeit als solche,
  • wie verändert dies die Arbeitsprozesse, das Management, Erwartungen, Gefühle, die Beziehung untereinander und zu Kundinnen?

Man kann das „treiben lassen“ (mit allen den damit verbundenen Risiken) oder es wird als gemeinsamer Entwicklungsprozess (=> Transformationsprozess, dazu auch „Nachhaltige Transformation“) verstanden und gestaltet.

Die oben erwähnte Freundlichkeit wird sich in konkreten Übersetzungsleistungen zu bewähren haben. Man wird die unterschiedlichen Sprachen (Logiken) zumindest grundsätzlich verstehen müssen: die Sprache der Betriebswirtschaft, der IT, der Nachhaltigkeit, die Sprachen des Unternehmensalltags, die Sprachen der Kundinnen, …

Strategisch wichtiger Fokus

Strategisch sind zwei Prozesse zu gestalten, die aus „unterschiedlichen Richtungen aufeinander zulaufen“:

  • welche Probleme der Nachhaltigkeit können durch Digitalisierung besser als ohne diese gelöst werden, und
  • welche digitalen Anwendungen, welche Automatisierungsprozesse ermöglichen neue Wege in der Nachhaltigkeit.

Da Digitalisierung ohnehin ‚passiert‘, sind Unternehmen gut beraten, sich nicht nur auf die Frage des WIE zurückzuziehen, sondern bewusst strategisch zu entscheiden:

  • WO und  WIE WILL MAN Digitalisierung für nachhaltiges und gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften nutzen?

Die Umsetzung dieses WOLLENS gelingt bei diesem neuen Terrain nur mit Erproben, Prototyping, mit Schritt-für-Schritt-Prozessen und nicht mit großen Planungsentwürfen. (Siehe auch: „Der Käse ist weg!“)